Presse - Website Motettenchor Friesoythe 2014

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Presse

Aus der Münsterländischen Tageszeitung vom 26.09.2017

Viel Applaus als Dank und Anerkennung
Insbesondere das Quartett überzeugt beim Kirchenkonzert in St. Marien mit engagierter Darbietung
Motettenchor Friesoythe und Mozartchor Hagen präsentierten am Sonntag Te-Deum-Kompositionen von Händel und Rejcha und stellten sich damit einer besonderen Herausforderung.
Von Thomas Lipski
Friesoythe. Auf dem Programm des Kirchenkonzertes in St. Marien, Friesoythe, am vergangenen Sonntag standen zwei große Te-Deum-Kompositionen. In sämtlichen musikalischen Epochen bildete die Vertonung des Ambrosianischen Lobgesanges als musikalisches Kunstwerk stets eine besondere Herausforderung.
Zunächst erklang das sogenannte Dettinger Te Deum von Georg Friedrich Händel, ein Auftragswerk nach der Schlacht von Dettingen, mit der der Österreichische Erbfolgekrieg 1743 sein „siegreiches Ende" nahm. Zu erwähnen ist noch, dass Händel auf die angelikanische Übersetzung zurückgegriffen hatte, wobei die englische Bibelübersetzung direkt, also ohne den Umweg über die lateinische, vom griechischen Urtext ausgeht.
Die einzelnen Abschnitte dieser Te-Deum-Vertonung stehen in der Tradition der „Anthems" (Hymnen). Christoph Scheeben, Bass, beeindruckte in seinen Solopartien auf Grund seines deklamatorisch prägnanten Vortrags und seiner kraftvollen Stimme. Bedauerlicherweise war die Übersetzung an einer Stelle ins Deutsche nicht korrekt: „Virginis uterum" bedeutet nicht „der Menschheit Los", sondern „der Jungfrau Schoß".
Weniger überzeugend und in den Fugen seltsam unengagiert bis unsicher präsentierten sich der Friesoyther Motettenchor und der Hagener Mozartchor, da es offensichtlich an ausreichender Korrespondenz zwischen Dirigent und Chor mangelte. Dennoch kam das stellenweise martialische Moment – u.a. durch die beiden Clarin-Trompeten – des Staatssinfonieorchesters Königsberg unter der Leitung von Heinrich kl. Siemer zur Geltung.
Die zweite zu Gehör gebrachte Te-Deum-Vertonung stammte von dem böhmischen Komponisten Antonin Rejcha, einem Zeitgenossen Ludwig van Beethovens. Rejcha steht mit diesem Werk in der Tradition der klassischen orchestermesse habsburgischer Provenienz. Wie Beethoven hat er bereits die aufkommende musikalische Romantik betreten.
Vor allem zeichnete sich das Soloquartett mit Beate Stanko, Sopran, Kathrin Köhne, Alt, Bernd kl. Siemer, Tenor und Christoph Scheeben, Bass, auf Grund seiner engagierten Darbietung aus. Das trifft ebenso für die Solopassagen zu. Hinsichtlich der Soli war die Orchesterbegleitung zu massiv, so dass die Textverständlichkeit nicht immer gegeben war. Auch mangelte es beiden Chören zuweilen am geforderten Enthusiasmus. Die Einwürfe der großen Orgel im zweiten und dritten Abschnitt waren sicherlich gut gemeint. Allerdings war die Registrierung mit „neobarockem Mixturengeklingel" unangemessen. Es fehlte an der notwendigen klanglichen Konsistenz.
Ungeachtet dieser Einschränkungen ist allen Ausführenden unter Leitung von Heinrich kl. Siemer für diese Darbietung Dank und Anerkennung auszusprechen, die Ihnen durch reichlich Applaus des Publikums auch zuteil wurde.

Aus der Nordwestzeitung vom 26.09.2017

Anspruchsvolle Werke hervorragend gemeistert
Konzert
Motettenchor Friesoythe und Orchester mit zwei Vertonungen des „Te Deum"
Von Christoph Keller
Friesoythe – Hymnischer Chorgesang, Achtelketten der Oboen und silberglänzender Trompetenklang: So begann Georg Friedrich Händels „Te Deum" jetzt bei einem festlichen Konzert in der St. Marienkirche, das vom Motettenchor Friesoythe gestaltet wurde, begleitet vom Staatssinfonieorchester Königsberg unter der Gesamtleitung von Heinrich Kleine Siemer.
Händel komponierte sein „Dettinger Te Deum" nach dem „Messias". Das 45-minütige Werk verlangt mit seinen 13 Chornummern einiges von den Chorsängern. Trotz kleinerer Intonationsunsicherheiten gestalteten die beiden Chöre die mit komplexer Polyphonie ausgestatteten Sätze gut ausbalanciert.
Christoph Scheeben sang mit hervorragend geführter Bassstimme drei größere Soli in willkommener Abwechslung zu den Teils wuchtigen Chorsätzen. Seine gute Deklamation konnte er auch  bei den ausgiebigen Koloraturen eindrucksvoll beibehalten. Martin Luther betrachtete das auf den frühchristlichen Bischof Ambrosius zurückgehende „Te Deum" als ein eigenes Glaubensbekenntnis. Dies hat viele Komponisten zu Vertonungen angeregt, so auch Antonin Rejcha. Sein 1825 komponiertes Werk schloss sich sehr gut an Händel an, zeigte es doch die unterschiedlichen Gestaltungsmittel, aber auch die Gemeinsamkeiten, wie bei den Chorfugen und anderen polyphonen Satzweisen. Das Orchester warum einige Bläser erweitert und wurde von der großen Orgel ergänzt, was allerdings in der Akustik des Kirchenraumes problematisch war.
Der Chor glänzte bei den großen Fugen besonders beim „Pleni sunt coeli" mit seinen geschmeidig komponierten Sequenzen und dem „Tu Rex gloriae" mit dem gewichtigen Orgelpunkt bei „sempiternus", damit das ewig göttliche ausdrückend.
Beate Stanko, Sopran, und Bernd Kleine Siemer, Tenor, gestalteten mit schlanker Linienführung und wunderschönen Imitationen ihr Duett „Tu ad liberandum". Bei einigen Chorsätzen sang das gut disponierte Solistenquartett, ergänzt durch die Altistin Kathrin Köhne, im Wechselgesang mit dem Chor, was dem Werk noch eine zusätzliche, angenehme Klangfrabe verlieh.
Am Ende des „Te Deum" heißt es: „Wir loben den Namen dein in Ewigkeit". Dem Chor gelangen auch die letzten polyphonen Gesangslinien überzeugend. Am Ende gab es begeisterten Beifall.

Aus der Münsterländischen Tageszeitung vom 13.12.2016

Klassiker löst Begeisterungswelle aus
Motettenchor Friesoythe führt Weihnachtsoratorium in Pfarrkirche auf / Europäisches Barockorchester auch dabei


Neben den bekannten, trugen die Sänger auch selten aufgeführte Teile vor. Dabei war die Aufführung geprägt von Schwung und Spannung.
VON KLAUS G
. WERNER

F
riesoythe. Mit spontanen Ovationen, Bravorufen für die faszinierenden Trompeten und einer Welle der Begeisterung feierte das Publikum Solisten, Chor und Orchester nach der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach in der Pfarrkirche St. Marien Friesoythe. Nach längerer Zeit hatten Heinrich kl. Siemer und der Motettenchor Friesoythe den Klassiker der Weihnachtszeit wieder einmal ins Programm genommen. Und der Besuch lohnte sich, hatte doch die Aufführung einige Überraschungen auf Lager.

Nicht nur di
e ersten drei Teile, basierend auf dem Weihnachtsevangelium nach Lukas, wurden zu Gehör gebracht. Nach einer Pause erklangen die selten aufgeführten Teile fünf und sechs, welche die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland zum Inhalt haben. Somit präsentierten die Ausführenden die komplette Weihnachtshistorie, wie sie traditionell immer wieder in Kunst und Musik dargestellt
w
urde. Zusammen mit Bachs überwältigender Komposition ergab sich ein abgerundetes Bild, an dem die Ausführenden gebührenden Anteil hatten.
Mit frischen Tempi setzte Heinrich kl. Siemer Glanzpunkte mit dem Motettenchor bei den ausgedehnten Eingangschören. Nicht
nur bekannte Chöre wie
"Jauchzet, frohlocket" und "Herrscher des Himmels", sondern auch weniger geläufige Nummern wie
"Ehre sei dir, Gott, gesungen" und "Herr, wenn die stolzen Feinde" brachten Schwung und Spannung in den Aufritt. Kontrastierend er-
Auc
h die Solisten
meisterten ihre
Auftrit
te mit Bravour
klangen
Choräle in ruhigem Ton mit ausgefeilter Deklamation.

Uneingeschränkte
s Lob verdienten die Solisten, allen voran Markus Brutscher (Tenor), der neben einem leichten Erzählton seines Evangelistenparts auch seine beiden Tenor-Arien mit Bravour meisterte. Ausdrucksstark und mit angenehm warmem Timbre trug
die Altistin Reb
ecca Blanz ihre Soli vor, darunter die bekannten Arien "Bereite dich, Zion" und "Schlafe, mein Liebster". Als außerordent-
lich flexibel erwies sich die Stimme von Ulrich Maier (Bass), voluminös in der Arie "Großer Herr und starker König", schlank und anpassungsfähig in den Rezitativen und Ensembles. Margaret Hunter (Sopran) konnte ihre gesangliche Meisterschaft mit ihrer
Arie
"Nur ein Wink von seinen Händen" voll zur Geltung bringen. Wie ausgewogen das Solisten- quartett klang, zeigte sich am Schluss in dem als Quartett auskomponierten Rezitativ "Was will der Hölle Schrecken nun".

Einen kaum zu unterschätzenden Anteil am Gelingen der Aufführung hatte das Europäische Barockorchester Le Chardon unter der Leitung
von Hajo Wienroth. Die überwiegend jungen Instrumentalisten aus mehreren europäischen Staaten sprühten vor Spielfreude und gaben sich hoch engagiert. Ob Streicher, Holzbläser oder Continuo-Gruppe, alle Orchestermitglieder musizierten ihren Bach mit
Verve und nahmen die Tempi Heinrich kl.Siemers wie selbstverständlich auf Attraktion der Aufführung waren natürlich die h
istorisch nachgebauten ventillosen Trompeten, die den Spielern höchste Virtuosität in den teilweise halsbrecherischen Läufen abverlangten.
Verdienter Beifall
, verdiente Ovationen für alle Ausführenden .

Aus der Nordwest Zeitung vom 13.12.2016

Motettenchor stößt großes Tor auf
MUSIK
Weihnachtsoratorium von J. S. Bach in Friesoythe - Fünf Kantaten

VON HORST HOLLMANN
FRIE
SOYTHE - Wenn die Pauken den Rhythmus zum Aufbrechen schlagen, wenn die Trompeten gleißendes Licht herab schicken, wenn die Flöten wie Schmetterlinge flattern, wenn die Geigen Girlanden winden: Das ist für Heinrich kleine Siemer noch vor dem jauchzenden Einsatz des Chores der Moment, ohne Zögern klare Kante zu zeigen.

Johann Sebastian Bachs Musik ist für ihn im "Weihnachtsoratorium u grenzenlos zukunftsglücklich
. Dass Gesellschaften an aktuellen He-rausforderungen zweifeln könnten? Nicht mit Bach! Die frohen Botschaften in den ausgewählten Kantaten I, II, III, V und VI schleudert der Dirigent den Hörern in der Pfarrkirche St. Marien in Friesoythe keineswegs ungefiltert entgegen. Immer verbindet er in vielen akribischen Abstufungen Gegenwart mit Zukunftshoffnungen, persönliche Gefühle mit auf die Gesamtheit übergreifender Empathie.
Mit "Jauchzet, frohlocket" stößt der Friesoyther Motettenchor ein großes Tor auf. Hindurch schreiten muss jeder Mensch selbst
. Aber in fast drei Stunden für die fünf Kantaten wird ihm ein Rucksack voll mit Mut, Neugier und Zuversicht gepackt. Kleine Siemers rund 50
Choristen artikulieren deutlich, wirken bei aller Präzision und Helligkeit nie scharf. Sie meiden jeden lehrerhaften Nachdruck
. Chorfugen klingen überaus natürlich. Das vielstimmige "Ehre sei Gott" fährt den Hörern bis in die Beine, man möchte glatt mittanzen. Und die "stolzen Feinde" schließlich bringen sie wirklich zum Schnauben.

Die Solisten sind die reine Wohltat, auch wenn die Altistin Rebecca Blanz sich mit ihrem hauchfeinen Timbre gegen die Oboi da Caccia oder gegen Tenor und Bass im Terzett "Ach, wann wird die Zeit erscheinen" behaupten muss. Margaret Hunter (Sopran) und Ulrich Maier (Bass) wahren auch in den heftigsten Sechzehntel- Pirouetten ihre feste Kontur. Markus Brutscher (Tenor) als Evangelist ist eine Klasse für sich, wenn er sensibel vom federnd leichten Erzählton in eindringlich verkündende Passagen einbiegt.

Die 19 Instrumentalisten im Barockorchester
Le Chardon" von Hajo Wienroth spielen Linien mit Anmut und Logik. Sie verbreiten Behaglichkeit ebenso, wie sie aufrüttelnde Teile bis zur Kurzatmigkeit treiben können. So
wandern sie bezwingend zwischen Vorwärtsstreben und Innehalten.

In der katholischen Kirche ersteht die Musik des streng gläubigen Protestanten Bach ideologiefrei über alle Glaubensgrenzen hinweg. Das
macht sie heute so stark.

Aus der Münsterländischen Tageszeitung vom 26.04.2016   
Mitreißend, hymnisch und fast mystisch

Motettenchor präsentiert Messe in f-Moll von Bruckner gemeinsam mit Mozart-Konzert-Chor Hagen
Nach dem beinahe mystischen Ende blieb es in der Kirche einige Sekunden
vollkommen still, bevor der wohlverdiente Beifall losbrach. Die Konzertbesucher waren begeistert.

Von Klaus G. Werner
Friesoythe (mt). „Soli Dero Gloria"
– Das Motto des Leipziger Thomaskantors Bach könnte genauso für den aus Oberösterreich stammenden Anton Bruckner gelten. Für den frommen Komponisten und langjährigen Organisten von St. Florian bei Linz waren seine Sinfonien ebenso Gottesdienst wie seine Messen sinfonische Werke darstellten. Sein großes Spätwerk und eine der bedeutendsten Vertonungen dieser Gattung überhaupt, die Messe in f-Moll erklang in der Pfarrkirche St. Marien mit dem Motettenchor Friesoythe und dem Mozart-Konzertchor Hagen unter der bewährten Leitung von Heinrich kl. Siemer. Bruckners Musik verlangt, entsprechend den Anforderungen im späten 19. Jahrhundert, Masse bei Chor und Orchester, die aber differenziert geführt werden muss, um ein „sattes" Piano herzustellen und ein Forte noch klangschön rüberzubringen. Beides gelang den gut vorbereiteten Chören und dem für spätromantische Musik geradezu prädestinierten Staatssinfonieorchester Kaliningrad in höchst eindrucksvoller Weise. Schon im Kyrie des Anfangs zeigten die Ausführenden ihre dynamischen Steigerungsmöglichkeiten. Der Chor im Wechsel mit der Sopranistin Beate Stanko und dem Bassisten Paul Brady erklommen gleichsam immer höhere Stufen des Flehens um Erbarmen, bis sich am Schluss Chor und Solisten zur Anrufung vereinigten. Weitere Glanzpunkte setzte der Chor in der mitreißenden Schlussfuge des Gloria, im rhythmisch bewegten „Et resurrexit" sowie dem hymnischen „Et vitam venturi", beides aus dem Credo. Dies war auch jener Teil, in dem der Tenor Sehyuk Im seine herausragenden stimmlichen Qualitäten beweisen konnte. Im „Et incarnatus" gestaltete er beeindruckend zusammen mit dem Frauenchor die teilweise sphärische Musik, mit der Bruckner das Geheimnis der Menschwerdung Gottes auszudrücken
vermochte. Hier wie auch im Benedictus herrschten die leiseren Töne vor. Eingeleitet von einer an Schubert erinnernden Cellokantilene weitete sich das „Gelobt sei der da kommt" zu einem groß angelegten Satz aus, getragen im Wechsel von Chor und Solistenquartett, welches mit der Altistin Francisca Hahn komplettiert wurde. Hielt auch das folgende
Agnus Dei noch einmal einige Steigerungsphasen parat, so klang das „Dona nobis pacem" doch im Pianissimo aus –nur begleitet von hohen Streichern und einer Oboe.
Dank dieses beinahe mystischen Schlusses blieb es mehrere Sekunden vollkommen still in der Friesoyther St.-Marien-Kirche, bis der wohlverdiente Beifall losbrach.


Aus der Nordwestzeitung vom 26.04.2016
Ausdrucksstark und anspruchsvoll
KONZERT
Anton Bruckners Messe f-Moll in Friesoyther Marienkirche aufgeführt

VON ANNA USA OEHLMANN
FRIESOYTHE - "Alles hat seine Grenzen. Bruckner liegt jenseits" äußerte sich Komponist Johannes Brahms über seinen Kollegen Anton Bruckner. Die Aufführung der Messe f-Moll des österreichischen Komponisten der Romantik lehnte die Wiener Hofmusikkapelle, für die Bruckner das Stück verfasste, ab. Diese Herausforderung war den Musikern zu groß.
Etwa 150 Jahre später widmete sich der Motettenchor Friesoythe jetzt dem anspruchsvollen Werk. Unter-
stützt wurden die Musiker unter der Leitung von Heinrich kleine Siemer vom Mozartchor Hagen, dem Staatssinfonieorchester Königsberg sowie vier Gesangssolisten. Zum Abschluss der Friesoyther Maitage ließen die über 100 Musiker die Messe f-Moll in der Friesoyther St.- Marien-Kirche erklingen.
Mit ausgewogenem Klang der Streicher, Bläser und Schlaginstrumente leitete das gut eingestimmte Staatssinfonieorchester Königsberg das "Kyrie" ein. Eine mystische Atmosphäre erzeugte der leise, weite Klang des 60-köpfigen Chores, der gut mit dem Orchester harmonierte im "Gloria". Ein kontinuierliches
Crescendo gipfelte mit den Worten "Laudamus te" ("Wir loben dich") in einem intensiven Forte von Orchester und Chor. Auch wenn die Artikulation des Chores im Anschluss etwas verschwamm, sind die Musiker im Adagio wieder zu einer homogenen Gruppe verschmolzen.
Die sonore Stimme von Solist Paul Brady (Bass) wechselte im langsamen Satz des "Credo" mit dem festlich stimmungsvollen Chor. Im folgenden Allegro beschworen die Sängerinnen und Sänger, wie in Trance, "non erit finis" ("wird kein Ende sein"). Die klare Stimme, die Sopranistin Beate Stanko mit klei-
nen Verzierungen noch stärker wirken ließ, verstärkte den erhabenen Charakter des "Credos". Alt-Sängerin Francisca Hahn hatte Schwierigkeiten, sich gegen den vollen Klang des Chores durchzusetzen. Tenor Sehyuk Im bestach dagegen durch ausdrucksstarke, intensive Passagen. Gefühlvoll klang das Konzert mit
dem "Dona nobis pacem" ("Gib uns deinen Frieden") aus dem „Agnus Dei" aus.
Das begeisterte Publikum honorierte die Leistung der Musiker mit stehenden Ovationen.


Aus der NWZ vom 17.11.2015
Das Foto zur linken wurde uns freundlicherweise von der NWZ zur Verfügung gestellt

Bekenntnis zur einmaligen Monumentalität
Konzert
Motettenchor Friesoythe und Mozartchor Hagen mit Mozarts Requiem in St. Marien
Von Horst Hollmann
Friesoythe – Es gibt eine Musik von Einsamkeit und Sterben: den Zyklus „Die Winterreise" von Franz Schubert. Es gibt eine Musik von Tod und ewiger Stille: das „Requiem" von Wolfgang Amadeus Mozart. Es sind zwei Kompositionen, die so dicht wie wenige andere an die letzten Dinge heran führen. Es sind zwei der scheinbar düstersten Werke – und gleichwohl zwei der populärsten der Deutschen überhaupt. Die deutsche Psyche: eine Verwirrende?
Wer verstehen will, warum hier im Fall Mozarts letztem Werk, der unvollendet gebliebenen Nummer 626 im Köchelverzeichnis, die Ergriffenheit quer durch alle Schichten der Gesellschaft führt, muss vielleicht eine Aufführung wie die in Friesoythe (Kreis Cloppenburg) hören. In der überaus gut besuchten Pfarrkirche St. Marien spricht sie eine absolut traditionelle Sprache, ohne Schnörkel, ohne Künstlichkeiten, ohne Verstörungen.

Ohne Hast

Die Musik riskiert keine Umwege. Aber sie führt geradlinig von Herz zu Herz und ergreift den Hörer frontal. Man muss sie dazu nicht einmal bis in ihre letzten Winkel ausforschen. Heinrich kleine Siemer bewegt als umsichtiger und inspirierender Dirigent einen großen Apparat, zügig, aber ohne Hast: den mit dem Mozartchor Hagen vereinigten eigenen Motettenchor, vier exzellente Solisten, das bei aller Routine recht engagiert agierende Staatsinfonieorchester Königsberg. In Friesoythe ist das eine über Jahre bewährte Kombination. Entschieden hat dich kl. Siemer für die Ergänzung des Mozart-Fragments durch Franz Beyer. Der Münchener Musikforscher hat vor allem Teile der bekannten Instrumentierung des Mozartschülers Süßmayr verändert. Selbst in der halligen Kirche wirkt der Orchesterklang dadurch klarer konturiert und lichter, und vor allen in den Bläserstimmen individueller.

Höchst biegsam

Die Aufführung bekennt sich zur Monumentalität. Das ist legitim, weil es musikalisch logisch ausgeführt wird. Nur gelegentlich forcieren die Chöre trotz ihrer Substanz und Beweglichkeit das das Forte zu wenig aufgefächert. Die dramatischen Verspannungen des „Rex tremendae" oder die einschüchternde Wucht des „Tuba mirum" bewältigen Sie mit viel Klangschliff
Gegenüber der Direktheit des Chorischen behaupten sich die Solisten in ihren Einzelpartien und als Ensemblepräsent und klar profiliert: Beate Stanko mit einem bis in die Höhen mühelos geführten lyrischen Sopran; Francisca Hahn mit einem beweglichen und bewegten Alt, Seyhuk Im mit einem höchst biegsamen Tenor; Oliver Aigner mit einem klaren und kernigen Bass.
Auf gleichem Niveau bewegt sich die vorangestellte Mozart-Messe KV 337 – aber sie ist dann doch ein Leichtgewicht gegenüber dem Requiem aller Requiems.


Aus der MT vom 17.11.2015

Mozarts Werke meisterhaft interpretiert
Motettenchor Friesoythe begeistert Publikum / Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge in Paris

Mit beim Konzert dabei waren außerdem einige Solisten, der Mozartchor Hagen und das Staatssinfonieorchester Kaliningrad

Von Klaus G. Werner

Friesoythe (mt). Welch ein Kontrast. Im Jahre 1780 schrieb Wolfgang Amadeus Mozart seine Missa solemnis, die letzte Messe unter der Fron des Salzburger Fürstbischofs, feierlich und unbeschwert mit dem hoffnungsfrohen Blick nach Wien, wohin seine Zukunft gerichtet war. Nur elf Jahre später lag Mozart auf dem Sterbebett und arbeitete bis zuletzt an einem Auftragswerk, dem Requiem in d-Moll, tiefgründig und erschütternd, als würde er es für sich selbst komponieren. Obwohl der Meister es nicht vollenden konnte und sein Schüler Franz Xaver Süßmayr das Werk nach vorhandenen Skizzen beendete, wirkt das Werk aus einem Guss, überzeitlich, in einer Reihe mit den ganz großen geistlichen Kompositionen der Musikgeschichte stehend.
Leben und Sterben, daran gemahnte das Konzert des Motettenchores Friesoythe und des Mozartchorrs Hagen am Volkstrauertag in besonderer künstlerisch beeindruckender Weise. Angesichts der jüngsten Terroranschläge erhielt die Botschaft besondere Aktualität und Brisanz, was Dechant Michael Borth dazu veranlasste, die Anwesenden zu bitten, sich zwischen den beiden Werken zu einer Schweigeminute für die Opfer von Paris zu erheben.

Dirigent Heinrich kl. Siemer besticht mit abgerundeter Qualität

Zusammen mit den Solisten und dem Staatsinfonieorchester Kaliningrad gelang den Chören unter der Leitung von Heinrich kl. Siemer eine meisterhafte Interpretation dieser Mozartwerke. Die große Besetzung ließ oratorisches „Feeling" aufkommen. Druckvoll sang der Chor die Forte-Passagen, zupackend und rhythmisch vorantreibend besonders im Requiem mit seiner Doppelfuge des „Kyrie" und der tonmalerischen Ausgestaltung des „Dies irae". Aber auch die leisen Stellen wie das einem Totentanz ähnliche, im Zwölfachteltakt sich wiegende „Lacrimosa" wussten zu gefallen.
Leider gab Mozart den Gesangssolisten nur wenig Raum zur Entfaltung. Lediglich Beate Stanko hatte als Sopranistin mehrere Gelegenheiten, sich mit ihrer schlanken, aber tragenden Stimme zu profilieren, so in dem als Bravourarie auskomponierten Beginn des „Agnus Dei". Im „Tuba mirum" des Requiems bekam man einen kurzen Eindruck von der Qualitäten des sonoren, fast schwarzen Bassstimme Oliver Aigners. Und das darauf folgende „Mors stubebit" brachte die sehr schöne klare Tenorstimme von Seyuk Im richtig zur Geltung. Francisca Hahn war dagegen fast ausschließlich im Solistenquartett eingebunden. Dieses entpuppte sich im „Recordare, Jesu ie" als ein wohlklingendes, angenehm aufeinander abgestimmtes Ensemble.
Die Mitglieder des Staatssinfonieorchesters Kaliningrad spielten engagiert und gingen auf die Tempi flexibel ein. Wie immer verstand es Heinrich kl. Siemer, mit sparsamen Mitteln, doch klar und deutlich seine Vorstellungen zu vermitteln. So dirigierte er erneut ein Meisterkonzert, das durch seine Qualität bestach und das Publikum begeisterte.

Bericht der NWZ vom 16.06.2015
Das Foto zur rechten wurde uns freundlicherweise von der NWZ zur Verfügung gestellt

Über fetzige Nummern im spirituellen Rahmen
Musik  Motettenchor Friesoythe führt eindrucksvoll Duke Ellingtons „Sacred Concert" auf

Von Volker Timmermann
Friesoythe – Kirchenkonzert?
Meist steht da ein Chor im Mittelpunkt, Vokalsolisten sind dabei, natürlich ein Dirigent, dazu dann ein Orchester.
Auch für das Konzert des von Heinrich kl. Siemer geleiteten Motettenchores Friesoythe ließe sich die Aufzählung so verwenden. Und doch war es diesmal beim Konzert ganz anders.
Schließlich stand nicht Bach oder Haydn, sondern Duke Ellington (1899-1974) auf dem Programm. Der war einer der berühmtesten Jazzmusiker der Musikgeschichte. Weniger bekannt ist indes, dass Ellington eine andere Seite hatte, sich sehr für „klassische" Formen interessierte. Sein „Sacred Concert" lässt sich da durchaus als Fortführung der europäischen Kirchenmusiktradition verstehen, wenn auch mit ganz anderen, dem Jazz entsprungenen Mitteln.
Etwa beim "Orchester": Statt der üblicherweise dominierenden Streicher blitzten in St. Marien in Friesoythe golden lauter Blasinstrumente: Saxofone, Trompeten, Posaunen, komplettiert mit Klavier, Bass und Percussion.
Die DiJaCo Big Band war ein zentrales Element der hervorragenden Aufführung - größte Präzision der Rhythmus-Gruppe und harmonisch farbige Bläsersätze belebten Ellingtons vielgestaltige Musik, mit erstklassigen Soli (Trompete!) garnierten die Musiker aus
Dinklage den Ellington-Sound.
Das „Sacred Concert" ist dabei nicht als auskomponiertes "Werk" zu verstehen, es sind elf eher locker zusammengefügte Einzelnummern nach von Ellington geschriebenen sakralen Texten. Die Musik ist an Mitteln des Jazz orientiert, sie erzeugt durch ihre Vielseitigkeit großen Kontrast.

Da stehen fetzige Nummern wie das von der Percussion geprägte „David danced" neben durchaus lyrischen Titeln, wie dem spirituellen, fast schon intimen „Come Sunday". Dort, aber beispielsweise auch im getragenen .Heaven" sang Solistin Beate Stanko mit ihrem
leuchtenden, ästhetischen Sopran und gestaltete intensiv und berückend. Eindrucksvoll schließlich der vom Mozartchor Hagen unterstützte Motettenchor, der mit großer Sicherheit in den für einen klassischen Chor oft ungewohnten Sätzen agierte. In den wunderbaren Aufschwüngen zeigte der rund 60-köpfige Chor seine dynamische Potenz und Klangschönheit, bewies aber auch kluge Zurückhaltung in Begleitungen und zeigte trotz der Größe erhebliche Beweglichkeit.

Heinrich kl. Siemer führte seine Musiker souverän auch durch große Klangmassen. Am Ende dafür, aber auch für eine so ungewöhnliche
wie gelungene Programmwahl Ovationen in der gut besetzten Kirche.


Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 16.06.2015

Chöre beweisen hohe Flexibilität
Jazz in der Kirche: Motettenchor Friesoythe und Mozartchor Hagen durchbrechen klassische Schiene

Minutenlange Ovationen und Beifallspfiffe begleiten das Finale des eindrucksvollen Konzertes. Ein Ausflug in Swing und Jazz, den die Gäste genossen.

Von Klaus G. Werner

Friesoythe. Ein richtiger Jazzer spielt kaum Noten. Er hat ein Thema und ein Harmonieschema, nach denen er improvisierend und mit anderen Jazzern korrespondierend den musikalischen Verlauf vorantreibt.
Auch Duke Ellington, einer der großen des Swing, hatte nicht anders musiziert, als er in den 1960ern und 70er seine Sacred Concerts aufführte. Gäbe es nicht Mittschnitte jener denkwürdigen, sakralen Jazzkonzerte, wären diese originellen Musikstücke, in denen der legendäre Ellington Tänzer und Vokalensemble auftreten ließ, für die Nachwelt verloren. Die Auswertung dieser Tondokumente ließ bei den dänischen Jazzern John Hǿbye und Peter Pedersen den Wunsch aufkommen, zumindest Teile daraus nachzuspielen.
So schufen die beiden eine Art „Jazz-Oratorium" für Sopran, Chor und Bigband, das auswählte Teile der Musik von Duke Ellington aufgreift. Sie schrieben diese Noten auf, bemüht, eine klangliche Nähe zum Original beizubehalten. In lockerer Reihung präsentierten sie zehn abwechslungsreiche Nummern, in denen auch instrumentale Improvisationsphasen enthalten sind, die das wichtigste Element des Jazz zur Geltung bringen.
Es war Heinrich kl. Siemer, der mit seinem Motettenchor Friesoythe und dem Mozartchor Hagen die klassische Schiene durchbrach und dieses jazzige Werk in der Pfarrkirche St. Marien Friesoythe zur Aufführung brachte.
Mit dabei waren die Bigband DiJaCo, geleitet von Thomas Stanko, und Beate Stanko als Sopran-Solistin. Für einen Oratorienchor bedeutet die Einarbeitung in den Swingstil eine riesige Herausforderung. Diese bewältigten die beiden Chöre mit Bravour.
Die beiden auf gleiche Grundthemen basierenden Rahmenstücke „Praise God" kamen druckvoll und präzise über, Eingebettet in das Werk ist eine sogenannte „Freedom-Suite", die ihrerseits aus sieben kurzen, kontrastreichen Titeln besteht. Gerade hier bewiesen die Chöre eine hohe Flexibilität und passten sich konzentriert den rhythmischen und harmonischen Gegebenheiten an. Besonders üppig wirkte der Chorklang in den ruhigen Stücken wie dem zweiten „Freedom"-Chor oder dem Titel „Come Sunday".
Bemerkenswert war es, wie Beate Stanko ihrer Stimme einen Charakter verleihen konnte, der sich in den Stil des Jazz überzeugend integrierte. In ihrem ersten Solo „Heaven, my dream" noch etwas verhalten, entfaltete sie ihre Stimme in „The Majesty of God" und in der Vokalise des „T.G.T.T." /To God To Title) zu vollem Glanz und überstrahlte, freilich dank mikrofonischer Verstärkung, den Chor mit ihren Spitzentönen im Finale. Eine absolut reife Leistung lieferte die Bigband DiJaCo ab, die nicht nur souveränen Gesamtsound produzierte, sondern auch solistische Leckerbissen bereithielt.
Hier entpuppte sich Benjamin Stanko als erstklassiges Jazztalent und legte in der instrumentalen Nummer mit dem Titel „The Sheperd" eine Improvisation von mitreißender Dynamik hin. Herauszustellten sind aber auch die solistischen Darbietungen von Gerd Lübbe, Posaune, Nils Middendorf, Saxophon, Benny Grenz, Piano und die speziellen Einlagen der beiden Percussionisten der Band. Routiniert leitete Heinrich kl. Siemer die Aufführung mit seinem klaren Dirigat und mit engagiertem Einsatz. Minutenlange Ovationen und Beifallspfiffe belohnte am Ende alle Akteure.

Das Foto zur Linken ist uns freundlicherweise von Herrn Passmann zur Verfügung gestellt worden

Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 09.12.2014

Zuhörer erleben Oratorium vom Feinsten
Mozarts Version von Händels Messias über Kritik erhaben / 100 Sänger harmonieren mit Solisten und Orchester
Mozart hatte unter anderem
die Bläserbesetzung
verstärkt. Der musikalische
Leiter Heinrich kl. Siemer
wusste das zu nutzen.
Von Klaus G. Werner
Friesoythe. Der „Messias" als Bearbeitung?
Georg Friedrich Händels berühmtestes Oratorium nicht im Original? Puristen mochtendie Nase rümpfen, doch dem Publikum konnte es letztlich egal sein. Wenn die Musik in der Fassung keines Geringeren als Wolfgang Amadeus Mozart aus dem schlanken Barock in ein üppiges frühromantisches Klangspektrum verlegt wurde, so verbot sich jede Diskussion um Authentizität und historische Klangtreue von vorn herein. Allein das Ergebnis zählte, und hier wurde in der Pfarrkirche St. Marien Friesoythe wieder einmal Oratorium vom Feinsten geboten. Form und Ablauf blieben in der Bearbeitung selbstverständlich unangetastet. Die drei Teile behandeln durch geschickte Reihung biblischer Zitate die Themen Weihnachten, Passion und Erwartung der Wiederkunft Christi. Etwa 100 Chorsängerinnen und -sänger des Mozart- Konzertchors Hagen und des Motettenchors Friesoythe, dazu das klassisch besetzte Staatssinfonieorchester Kaliningrad und vier Solisten erzeugten in der gut
besetzten Kirche einen druckvollen Sound. Schon bald wurde klar, dass die Erweiterung der Bläserbesetzung in der Version Mozarts mehr Möglichkeiten in den dynamischen Abstufungen bot, was Heinrich kl. Siemer als Leiter der Aufführung denn auch immer wieder nutzte. Gleichzeitig wirkte er der Gefahr der Trägheit
entgegen, indem er gerade in den Chorpassagen straffe Tempi durchzog. Schon der erste Chor „Denn die Herrlichkeit Gottes" überzeugte durch einen satten Chorklang,
Präzision in den Melismen – auf einer Silbe gesungene Melodien –, der einzelnen
Stimmen und eine beeindruckende Durchhörbarkeit der Struktur. Auch die weiteren
Chöre bis hin zum „Halleluja" und zum „Amen" des Schlusschors glänzten mit Schönheit des Klang in allen Stimmen. Beate Stanko als Sopran I bestach einmal mehr mit ihrer schlanken, tragenden und lyrischen Stimme und hatte mit Arien wie „Er weidet seine Herde" dankbare Aufgaben, die ihrem Timbre bestens entgegen
kamen. Franciska Hahn hatte eigentlich zwei Rollen übernommen, indem sie die Alt- und die Sopran-II-Partien sang. Dabei wirkte sie in der Tiefe etwas verhalten, während sie in der Sopranlage ihre angenehm glockige Stimme voll entfalten konnte. In Nathan Northrup war ein souveräner und flexibler Tenor mit Strahlkraft gefunden
worden, der seinen Part ausdrucksvoll überbrachte. Paul Brady, stimmgewaltiger und
klangschöner Bass, war kurzfristig eingesprungen. Er ging seine halsbrecherischen Koloraturen etwas vorsichtig an, passte sich aber makellos in das Solistenquartett
ein. Das Staatssinfonieorchester Kaliningrad gehört schon zum
Standard der Friesoyther Kirchenkonzerte und erwies sich als
verlässlicher Partner. Dank der klaren Taktgebung von Heinrich
kl. Siemer wurden die Ausführenden sicher durch die vielen Nummern des Werks geleitet. Ihm und auch dem Leiter des Hagener Chores, Albert Boehres, ist es zu verdanken, dass eine selten gespielte Version des beliebten Händelschen Oratoriums in beeindruckender Weise zur Aufführung kam.

Bericht der Nordwest-Zeitung vom 09.12.2014

Über Tiefenwärme in einer kalten Kirche
Konzert Motettenchor Friesoythe und Mozartchor Hagen setzen Glanzpunkte in Händels „Messias"
Von Horst Hollmann
FRIESOYTHE - Weit ist der Weg bis zum Erklingen des "Halle­luja", dem berühmtesten
Chor, den Georg Friedrich Händel komponiert hat. In Friesoythe (Kreis Cloppenburg) mag diese Strecke im Oratorium "Der Messias" manchem der vielen Hörer in der Pfarrkirche St. Marien be­sonders lang vorgekommen sein. Gefühlt subjektiv. Doch knapp 100 Minuten bis zum Hit sind eben knapp 100 Minuten. Absolut objektiv.
Das trügerische Gefühl liegt an zwei Besonderheiten. Motettenchor-Leiter und Dirigent Heinrich kleine Siemer präsentiert Händel in Mozarts anerkannter, aber anfechtbarer Bear-beitung. Das Genie der Klassik glättete 1789 mit Hörner-, Klarinetten- und sonstigen Füllklängen viele Kanten, die der Meister des Barock 1741 mit Hochspan nung aufgeladen hatte.
Die bricht einige Male ab.
Die in ihrer Schlichtheit wundervoll schwebende Hirtenmusik etwa degeneriert zum
bläserbetonten Serenadensatz. Zudem zelebriert das Staatsorchester Königsberg
Händel mit dem breiten und bedeutungsschweren Bogenstrich der 1950er Jahre.

Doch der Dirigent zieht die richtigen Schlüsse. Kleine Siemer streicht den festlich-re­
präsentativen Gestus heraus, der solchen Oratorien-Projekten meistens eigen ist. Er ver­
gisst bei allem Monumentalen nicht die für Händel typischen zarten Töne. Die Botschaft ist
ihm wichtig. Er überbringt sie mit Ausrufezeichen, aber undogmatisch froh und bewegend.

Zum anderen setzen der mit dem Mozartchor Hagen vereinigte Motettenchor Friesoythe und die Sopranistin Beate Stanko Glanzpunkte. Händel hat den Chorsatz im "Messias" unkompliziert gehalten. Das verleitet niemanden zu Nachlässigkeit.

Die Stimmen erreichen technisch wie klanglich-substanziell hohes Niveau, gerade in den Espressivo-Nummern mit weit gezogener Phrasierung. Da wird der Ausdruck zugespitzt, aber nie überspitzt.

Beate Stanko agiert in den weichen melodischen Linien beseelt und beweglich. Diese
Ausdrucksdichte erreichen Francisca Hahn (Mezzosopran) und Nathan Northrup (Tenor) nicht ganz. Paul Brady singt die Basspartie mit Enthusiasmus und Verve. Aber sein Bariton - Timbre wirkt hier fremd.

Am Ende triumphiert der reine Händel. Und das "Halle­luja" wärmt in einer kalten Kirche die Herzen tief.


Bericht der Westfalenpost aus Hagen vom 08.12.2014

Hagen, 08.12.2014
Ein Chor in Hochform meistert den oft sperrigen Text
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Vorhalle. Der Hagener Mozart-Konzertchor, der Motettenchor Friesoythe (Leitung: Heinrich Kleine Siemer), das Staatssinfonieorchester Kaliningrad und vier wunderbare Solisten leisteten am Samstagabend in der Liebfrauenkirche in Vorhalle – sehr erfolgreich - Schwerstarbeit. Dirigent Albert Boehres führte Händels Messias im – modern gesprochen – Arrangement von Mozart vor einem Riesenpublikum auf.
„Modern" aufgeführt

So selbstverständlich, wie heute Bach-Orgelchoräle als Saxophon-Quartett für den Geschmack des Publikums bearbeitet werden, wollten die Wiener – allen voran der Baron van Swieten, in dessen Privatbibliothek Mozart Zugang zu Bach- und Händelpartituren hatte – die barocken Werke „modern" aufgeführt hören. Dieser bereicherte die Instrumentierung durch „Harmonie-Musik": eine Mischung aus Holz- und Blechbläsern. Die weichen Querflöten, Klarinetten , Fagott- und Oboenklänge, oft als Einwürfe oder im Wechselspiel mit den Streichern, betonten im Orchester lichtvolle Momente, die Hörner und die Pauke lieferten euphorischen Chor-Passagen glanzvollen Hintergrund.

Posaunen vermied Mozart sogar in der Bass-Arie „Es schallt die Posaune". Als Kind soll er beim Hören von Trompeten in Krämpfe verfallen sein; vielleicht daher die Abneigung gegen allzu viel Blech und die Vorliebe für den warmen Klang der Hörner. Die Streicher hatten dagegen manchmal einen etwas schrillen Sound.
Strahlender Sopran

Der Chor war in Hochform. Ein strahlender Sopran, durchsetzungsfähige Männerstimmen, sogar im Tenor (in vielen Gesangvereinen „schwach auf der Brust"), ein gut funktionierender Alt, allerdings etwas blass im Ton, meisterten die zahlreichen Schwierigkeiten der Chorsätze: Komplizierte Verflechtungen aus selbstständiger Stimmführung, lange Vokalisen, schwere düstere Akkorde zur Demonstration des Leidens Christi und der Sündhaftigkeit der Menschheit, euphorische Jubelstimmung wie im berühmten Halleluja, plötzlicher Tempowechsel, oft nach einer perfekt eingehaltenen Generalpause: eine Meisterleistung.

Befremdlich wirkte der zu Mozarts Zeiten übliche, oft etwas sperrige Text. Kein Wunder, dass der Bass in der Arie „Warum entbrennen die Heiden" aus dem „Entbrennen" lieber nach der vertrauten Version ein „Toben" machte. Oliver Aigner mit rabenschwarzem, vibratogebremstem Timbre war die ideale Besetzung. Nathan Northrup, Tenor, sang ebenfalls seine vielen Koloraturen wie in der Arie „Alle Tale" in perfekter Deutlichkeit, mit kirchenmusikalisch schlank geführter Stimme. Beate Stanko, Sopran, bezauberte mit dem tiefes Gottvertrauen ausdrückenden „Er weidet seine Herde" und einem innigen „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt".

Francisca Hahn, Alt bzw. 2. Sopran, gestaltete die Arie „O du, die Wonne verkündet in Zion" mit intensivem Spannungsgehalt. Der lautstarke Applaus führte zur Wiederholung des „Halleluja" als Zugabe; ein grandioser Paukenwirbel zum Schluss symbolisierte noch einmal die Allmacht Gottes.

Renate Schmoll



Aus der Münsterländischen  Tageszeitung vom 01.07.2014
Aufwühlendes  Konzerterlebnis
Stehender Applaus für .The armed Man"
Mit The armed Man" des Komponisten Kar! Jenkins unter der Leitung von Heinrich kl. Siemer boten Chor und Orchester ein aufwühlendes Konzerterlebnis.

VON DR. THOMAS LIPSKI

Friesoythe. Der Friesoyther Motettenchor hatte in der musikalischen Zusammenarbeit mit dem Mozart-Konzertchor aus Hagen/ Westfalen und dem Staatssinfonieorchester Königsberg in den vergangenen Jahren immer wieder sehr beeindruckende Darbietungen präsentiert. In dieser Formation wurde am vergangenen Sonntag in der Priesoyther Mari­
enkirche die Friedensmesse für die Opfer des Kosovo-Kriegs .The armed Man" des zeitgenössischen walisischen Komponisten Karl Jenkins unter der Leitung von Heinrich kl. Siemer zu Gehör gebracht.

Messe ist in diesem Zusammenhang als musikalisches Kunstwerk zu verstehen, wobei es sich bei diesem Werk im weitesten Sinn um ein Requiem handelt. In Anlehnung an die Tradition der Trommler und Pfeifer im Krieg zogen zwei Instrumentalisten zu Beginn
durch die Marienkirche. Die mittels kleiner Trommel und Piccoloflöte intonierte Melodie „L’homme armé" nahmen Chor und Orchester expressiv auf .
Dem folgte gemäß der christlichen und muslimischen Volksgruppen im ehemaligen Jugoslawien der Ruf des Muezzins zum Gebet mit den Worten. „Allahu Akbar ... " Stärker hätte der Kontrast nicht ausfallen können; und doch vermochte es Jenkins, einen musikalischen Kontext zu schaffen, der durch die Ausführenden im anschließenden Kyrie überzeugend zu Gehör gebracht wurde. Daran hatte Beate Stanko (Sopran) mit ihren Solopartien aufgrund ihrer sehr einfühlsamen Gestaltung entscheidenden Anteil.

Marschrhythmus mit
hoher Ausdruckskraft
dargeboten

Im folgenden Abschnitt hat Jenkins Passagen des 56. und 59. Psalms zusammengeführt. Fast schon an Sprechgesang erinnernd fanden die Männerstimmen zu einer bezwingenden
deklamatorischen Aussage. Das Sanctus mit seinem durchweg ambivalenten Charakter auf­
grund des unterlegten militärischen Marschrhythmus wurde mit hoher Ausdruckskraft darge­
boten.
Der "Lobgesang vor der Schlacht" auf Worte von Rudyard Kipling als ritualisierter Kriegstanz im Zeichen eines industrialisierten Krieges in Verbindung mit der martialischen Anrufung Gottes um eine erfolgreiche Kriegsführung unterstrich beängstigend den Aberwitz jeglicher kriegerischen Auseinandersetzung. In diesem wie im folgenden mit "Angriff" überschriebenen Teil kann es keinen Wohlklang geben. Das Schlachtgetümmel, sehr naturalistisch durch Chor und Orchester interpretiert, forderte von sämtlichen Ausführenden ein Höchstmaß an physischer wie psychischer Kraft.
"Zornige Flammen", lautet der
Titel des achten Abschnitts. Anschaulich beschrieben Chor und Orchester das Entsetzen und die totale Zerstörung einhergehend mit der Auslöschung des Lebens. Sowohl das von Beate Stanko vorgetragene Sopran-Solo als auch der Chor waren wegen der absteigenden Glissandi als Sinnbild des sich wie ein Leichentuch über die verwüstete Stätte legenden Nebels außerordentlich interpretatorisch gefordert, um diese ergreifende wie packende
Stimmung zu vermitteln.

Konzentriertes
Musizieren auf
höchstem Niveau

Das trifft ebenso für den enormen Orchestereinsatz zu. Die gesamte Szene erinnert durch­
aus an eine vergleichbare in Ligetis „Le Grand Macabre".
Dem neunten Abschnitt mit dem Titel „Fackeln" liegt das indische Heldenepos Mahàbhà­
rata zugrunde. Er stellt die Fortsetzung des vorgegangenen Abschnitts dar. Wiederum fan­
den Chor und Orchester zu einer anschaulichen wie ergreifenden Ausdrucksweise. Dabei ist besonders das elegische Solo des Englischhorns hervorzuheben.
Nach diesen emotional aufwühlenden Abschnitten folgt
das „Agnus Dei" mit der innigen Bitte um Frieden. Dem schließt sich eine elegische Kantilene für Solo-Sopran als elften Abschnitt an, in dem Beate Stanko gefühlsbetont und ausdrucksstark die Einsamkeit des Überlebenden schilderte. Mit einem kantablen wie expressiven Cello-Solo folgte das Benedictus. Im „Hosianna in excelsis" stimmten Chor
und Orchester nochmals einen Jubelgesang an.
"Besser ist Frieden", ist der Finalteil überschrieben. Als Reprise erklingt nochmals „L'homme arme". Es wird jedoch durch Worte aus der Offenbarung endgültig verdrängt, die gleich einem Kaleidoskop in einem überwältigenden Jubilus enden. Abermals bewiesen Chor
und Orchester unter der Leitung von Heinrich kl. Siemer ein ebenso engagiertes wie konzen­
triertes Musizieren auf höchstemNiveau.
Für die zahlreich erschienen Zuhörer in der Friesoyther Marienkirche war diese Darbietung
ein aufwühlendes Erlebnis, das mit stehendem Applaus bedacht wurde.


Aus der Nordwest-Zeitung Oldenburg vom 01.07.2014

Einfache Aussage sorgt für packende Wucht
KONZERT Motettenchor Friesoythe führt Messe "The Armed Man" von Karl Jenkins auf
VON HORST HOLLMANN
FRIESOYTHE - Jedes Land hat eine Armee - eine eigene oder eine fremde. Das ist so eine jener Erkenntnisse, die so einfach klingen und doch so komplex sind. Jeder Krieg hat nur Verlierer - auch der militärische Sieger ist einer. Auch das ist eine simple Botschaft für eine vertrackte Konstellation.

Karl Jenkins (70) hat dem Krieg als Irrlehre eine Bekenntnismusik gewidmet: kunstvoll in der übersichtlichen Handhabung der vielfältigen
Formen - und Zweifel schürend an einer wirklich befriedeten Welt.

Die Messe "The Armed Man" des walisischen Komponisten findet in St. Marien
in Friesoythe (Kreis Cloppenburg) ideale Interpreten und ein tief bewegtes Publikum.
Der heimische Motettenchor, erneut verbunden mit dem Mozartchor Hagen, hat sich in den vergangenen Jahren an dieser Art von eingängiger, aber nie oberflächlicher zeitgenössischer Musik intensiv geschult.

Heinrich kl. Siemer ist ein Chorleiter, der bei den illustrativen Effekten genau weiß, was zum Nutzen zu betonen und als Abnutzung zu meiden ist. Nie versucht er, direkt verständliche Aussagen unlogisch zu vergrößern. Das schafft eine beklemmende Emotionalität und bringt dem formell und sprachlich durch Jahrhunderte wandernden Werk eine bezwingende Geschlossenheit.
Das Staatsorchester Königsberg stützt rhythmisch souverän, entwickelt spürbar Freude an grellen Bläserfarben oder an heimeliger Streich erwärme. Es besitzt zudem eine Solocellistin mit einer ergreifenden Klangintensität.

Auf diesem Untergrund entwickelt die voluminöse Chorformation Transparenz, Tiefenstaffelung und eine gewaltige dynamische Weite.
Über lange Strecken aufgebaute Steigerungen wie im Sanctus entwickeln sich ungemein organisch. Beate Stanko trifft  im "Now the Guns have Stopped" mit ihrem Sopran
ein schlichtes Timbre, in dem Verzweiflung ebenso wie Hoffnung anklingen.

Jenkins hat seine "Messe für den Frieden" 1999 im Auftrag der Königlich Britischen
Armee zu ihrem tausendjährigen Bestehen komponiert und dann aktuell den Opfern des
Kosovo- Krieges gewidmet.
Eine zutiefst humane Botschaft, dass Waffengänge den
Menschen niemals Segen gebracht haben, zur Feier einer
Armee - auch so ein Paradoxon.

Magnificat - Kompositionen

Nordwest Zeitung Oldenburg vom 19.11.2013
(mit Foto vom 18.11.2013)

Starke Besetzung und mitreißende Art
KONZERT Motettenchor Friesoythe und Hagener Mozartchor begeistern
VON HORST HOLLMANN

FRIESOYTHE - Chorsänger lieben John Rutter. Der Brite, Jahrgang 1945, stellt ihnen
Aufgaben, die sie angemessen herausfordern, die sie aber nie verzagen lassen. Wenn etwa in seinem .Magnificat" die Jazz- fuge im .Fecit potentia" so' fulminant gelingt, wie in der Marienkirche in Friesoythe (Kreis Cloppenburg), ist die innere Erfüllung groß.

Der heimische Motettenchor, schon traditionell vereinigt mit dem Hagener Mozartchor, genießt diese erhebende Freude ebenso wie die Hörer in dem bis in die hintersten Sitzreihen gefüllten Raum. Leiter Heinrich kl. Siemer hat das 1990 in New York uraufgeführte opulente Werk nach drei Jahren noch einmal ins Programm genommen.

Einmal mehr macht es durch seinen lockeren Umgang mit liturgischen Vorlagen Effekt, nicht nur durch markiges Blech, hüpfende Metren, synkopierte Lebendigkeit oder Rumba-Anleihen, sondern auch durch lyrische Innigkeit. Aber das Wiederhören ernüchtert.

Es öffnen sich weniger neue Blicke auf die spürbar ertüftelten Feinheiten. Es offenbaren sich mehr die Banalitäten, der Überraschungseffekt ist abgewetzt. Nach gut einer halben Stunde wirkt der äußere Glanz blind. Rutters Marien- und Chorhuldigung beansprucht zwar den größten Aufwand und Apparat, neben den vereinigten Chören auch das zwischen Barock,
Romantik und solcher Moderne sehr stilsichere Staatsorchester Königsberg. Doch sie
kann sich gegen die Magnificat-Vertonungen von Arvo Pärt (a cappella von der Empore gesungen), Iohann Sebastian Bachs D-Dur-Werk (BWV 243) und Franz Schubert (D 486) nicht leicht behaupten.

Das Engagement von Sängern, Solisten und Instrumentalisten ist gleichermaßen hoch. Von laienhafter Mittelmäßigkeit lassen die Chöre nichts spüren. Kl. Siemer weckt auch bei dieser starken Besetzung eine mitreißende Lebendigkeit, leitet präzise Einsätze ohne Nachschieben ein. Gerade die Männerstimmen kommen prägnant und sacken nicht ab. Der festliche Schwung trägt bei expressiver Gespanntheit durch alle Teile.

Das Solisten-Quartett ergänzt sich prächtig. Der Sopran von Beate Stanko klingt
voll und warm. Der Mezzo von Steffi Isenberg wirkt in seiner knabenhaften Offenheit packend. Der' Bass von Oliver Aigner besticht durch seine Beweglichkeit. Rene Aguilars Tenor bleibt bei leichter Ansprache etwas eng. Das nimmt dem .Deposuit potentes" bei Bach die umstürzlerische Wucht. Doch den riesigen Beifall nach den vier Werken kann zu Recht nichts eindämmen.

Münsterländische Tageszeitung vom 19.11.2013

Spannende Reise durch Epochen und Stile
Der Motettenchor Friesoythe erhält viel Beifall fürvier Magnificat- Kompositionen in der St.- Marien- Kirche

Zur Unterstüzung waren unter anderem der Mozartchor Hagen, das Staatsorchester Königsberg sowie einzelne Musiker mit dabei. Am Ende gab es stehende Ovationen der Zuschauer.
VON KLAUS G. WERNER
Friesoythe. Viermal Magnificat, viermal der Lobgesang der Maria, ein Langweiler oder eine
Veranstaltung für Spezialisten?
Weder, noch! Das Konzert in der Pfarrkirche St. Marien wurde zu einer spannenden Reise durch Epochen und Personalstile. Heinrich kleine Siemer, Leiter des Motettchors Friesoythe
Dirigent der vom Mozartchor Hagen mit getragenen Kirchenmusik, hatte es wieder einmal geschaftt, ein großes Publikum in seinen Bann zu ziehen.
Bewährte Kräfte wie Beate Stanko (Sopran), Steffi Isenberg (Mezzosopran), Rene Aguilar
(Tenor) und Oliver Aigner (Bass) sowie das Staatsorchester Königsberg sorgten zusätzlich für
das Gelingen des Konzerts.
Die Solisten singen ihre Parts
sehr einfühlsam
Am Anfang stand ein Werk für Chor allein, das Magnificat des estnischen Komponisten Arvo
Pärt. Ein klein besetzter Auswahlchor sang dieses Stück von der Empore der Kirche gleichsam als Einführung in das Thema. Sauber intoniert und leuchtend in der Stimmgebung trugen die Sängerinnen und Sänger das meditativ gehaltene Werk vor, das ruhig im Tempo blieb und durchweg auf klaren Melodielinien und einfachen,
manchmal etwas augeschärften Dreiklangsharmonien basierte.
Klanglich kontrastierend zum kontemplativen Einstieg folgte das Magnificat von [Johann Sebastian Bach mit dem vollen, ausdrucksstarken Chor, den feierlichen Orchesterklängen und den barock affektgeladenen Soloarien.Fast ein bisschen zu druckvoll und opulent für Barockmusik kamen die Tuttistellen über, während die Solisten ihre Parts sehr einfühlsam sangen. Hervorzuheben ist das "Et misericordias", in dem Steffi Isenberg und Rene Aguilar sich stimmlich sehr fein anpassten.
Seitens des Chores beeindruckte das Terzett .Suscepit Israel", das anstelle von Solisten vom Frauenchor vorgetragen wurde.
Mit Franz Schuberts Beitrag zum Thema und dem damit verbundenen Eintritt in die musikalische Romantik waren alle Ausführenden in ihrem Element. Trotz seiner Kürze glänzte das Werk mit erhabenem Wohlklang, der von Chor, Orchester und einem äußerst homogen musizierenden Solistenquartett überzeugend herausgearbeitet wurde.
Mit einem großen Werk des späten 20. Jahrhunderts wurde die Klammer des Zyklus zugemacht. Doch welch ein Kontrast zu dem anfänglichen Werk bildete nun das Magnificat von John Rutter Effekte aus Spätromantik und lateinamerikanischer Folklore verbanden sich zu dramatischen Steigerungen und wechselten sich mit lyrischen Teilen, die manchmal haarscharf an der Grenze des Kitsches ent-langstreiften. Trotz (oder wegen) der offenbar auf Publikumswirksamkeit getrimmten kompositorischen Mittel ging eine Faszination von dem Werk aus. Chor und Orchester konnten sich sich hier mit Begeisterung austoben. Als wirkungsvolle Kon-
traste gaben sich Beate Stanko und Steffi Isenberg den Kantilenen und aparten Harmonien hin. Heinrich kleine Siemer behielt in den teilweise schwierigen Taktwechseln die Überblick undleitete das Werk mit großer Souveränität.

Am Ende gab es minutenlangen Beifall und stehende Ovationen der Zuschauer.

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Gustav Mahlers 8. Sinfonie

Nordwestzeitung vom 20.06.2013
Foto: H. kl. Siemer

Zauber eines mächtigen Werkes

Musik Gustav Mahlers 8. Sinfonie in der Weser Ems-Halle

Roger Epple leitet die Riesenchöre souverän durch die 90 Minuten. Es gibt vier weitere Aufführungen.

Von Horst Hollmann

Oldenburg – Diese Musik bricht herein wie eine Sturmflut. Aber in Oldenburg halten die Deiche gegen die Wogen und die Gischt, die um Gustav Mahlers achte Sinfonie tosen.
Steuermann Roger Epple führt alle in den sicheren Hafen. Alle: Das sind 400 Chorsänger, acht Solisten, das Oldenburgische Staatsorchester, das Städtische Orchester Bremerhaven, zusammen 550 Mitwirkende – und in der Eser-Ems-Halle weit über 1000 Zuhörer.
Unberührt beendet niemand diese Fahrt. Beglückt? Erschüttert? Hingerissen? Verstört? Aufgewühlt? Begeistert?

Mahlers „Opus summum“ bedient alle Urteile und Gefühle. Keine Mahler-Sinfonie steht uns ferner als dieser Zwitter aus Kantate und Sinfonie. Wenn Mahlers Größe in der Vieldeutigkeit seiner Musik liegt, dann stürzt sie hier zu banaler Eindeutigkeit ab. Die Achte häuft schon 1910 abgenutzte romantische Ausdruckmittel an. Manchen gilt sie als Denkmal für tragisches menschliches Scheitern, den Himmel zu greifen.
Doch viele Abwertungen verblassen im direkten Anblick dieses gigantischen Bauwerks. Niemand kann sich der eruptiven Kraft entziehen, wenn kosmisches Klanggefühl und künstlerisches Ethos ineinander fließen. Das Zusammenführen des mittelalterlichen Hymnus „Veni Creator Spiritus“ mit der Schlussszene aus Goethes „Faust II“ zählt zu den genialen Würfen. Während die Gesellschaft verblendet auf die Katastrophe des Ersten Weltkriegs zusteuert, singt Mahler sein hohes Lied auf menschliche Schöpferkraft und Liebe. Wen kann solche Beschwörung des Heiligen unberührt lassen?

Den dicken Farbpinsel braucht diese Sinfonie nicht. Roger Epple, Oldenburgs Generalmusikdirektor, bleibt sparsam mit den theatralischen Elementen. Bei ruhig gefasstem Tempo arbeitet er im Veni-Creator-Teil das Drängende und Zugespitzte heraus, dehnt aber eben nicht, wenn Mahler in der Partitur mahnt: „Nicht eilen!“ Epple nimmt bei allem Herzblut mit schnörkelloser Zeichensetzung dem Werk einiges an erschlagender Wucht. Es gibt bei den Chor- und Orchestermassen kaum verwischte Einsätze und nur wenige Passagen, in denen schieres Dröhnen den Kontrapunkt erdrückt.

So dringt eine versteckte Sensibilität und Zerissenheit durch. Die metaphysische Landschaft, die das Orchester zur Einleitung des zweiten Teils so fein zeichnet, erhält eine erahnbare, aber nicht messbare Weite. Dieser Achten bekommen solche Momente frei gelegter Vielschichtigkeit sehr gut. Sie erwitern ihre Dimension fern vom Getöse.
Die Solisten fügen sich überaus glücklich zusammen. Mahler wusste um die Tonnengewichte, die drei Soprane (Erika Sundegardh, Inga-Britt Andersson und Angela Davis für die erkrankte Mareke Freudenberg), zwei Altstimmen ( Linda Sommerhage, Jordanka Milkova) sowie Tenor (Roman Sadnik), Bariton (Peter Felix Bauer) und Bass (Derrick Ballard) einbringen müssen. „Unter keinen Umständen auffallen“ etwa solle der Tenor. Zu „verhaltenem Ausdruck“ sind die anderen oft angehalten. Dieses Ensemble hat die Partitur studiert.

Und natürlich: Die Chöre haben sich intensiv ihrem Mahler gewidmet, nach den Heimproben schließlich mit Oldenburgs Chordirektor Thomas Bönisch. Wie sie noch im Fortissimo abstufen, wie sie sauber artikulieren, wie sie trittsicher durch Fugen schreiten, wie sie Steigerungen formen – das verdient Respekt.

Mit einer gewaltigen Leistung haben Profis und Laien ein monumentales Werk mit und für die Region realisiert. So etwas hat den Hauch des Experimentellenj, ja, des Unwiederholbaren. Das ist ein großer Zauber.


Münsterländische Tageszeitung vom 20.06.2013

Bandbreite von sensibel bis bombastisch

Mahlers 8. Sinfonie wird zum Erlebnis
Die sehr komplexe Musik Mahlers wurde in der Münsterlandhalle überzeugend dargebracht. Solisten, Chöre und Orchester überzeugten.

Von Klaus G. Werner

Cloppenburg. Was für ein Werk!

Was für eine Welt eröffnet sich in dieser Musik? Beethovens Sinfonik, grenzenlos übersteigert? Ausdruck der Dekadenz um die vorletzte Jahrhundertwende, dem „Fin de siècle“? Vermutlich von beidem etwas. Gustavs Mahler achte Sinfonie, sein letzter triumphaler Erfolg, den er 1910 in München noch selbst erlebte, steht da wie eine letzte Bastion des klassisch-romantischen Erbes und balanciert gleichsam auf der Grenze zur Moderne. … Die harmonisch und rhythmisch sehr komplexe Musik Mahlers wurde hier in überzeugender Weise dargebracht, von einem brillanten Solistenensemble mit großer Strahlkraft, einem riesig besetzten Orchester … sowie von einer zahlenmäßig wie klanglich beeindruckenden Chorgemeinschaft. Hervorzuheben sind zudem die Kinderchöre mit ihrem engagierten Gesang.
Das Dank Roger Epple exakte Zusammenwirken aller ließ die Bandbreite des Ausdrucks von kammermusikalischer Sensibilität bis zur bombastischen Klangfülle zur angemessenen Entfaltung kommen. Ein in dieser Weise starkes, einmaliges Erlebnis, das unter die Haut ging und daher im Gedächtnis bleibt.

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Johannespassion (J.S. Bach)

Münsterländische Tageszeitung vom 20. 03. 2012

Christusworte mit "Schmelz und Wärme"
Konzert des Friesoyther Motettenchores: Denkwürdige Aufführung zeigt Leiden und Sterben Jesu Christi Klangschön und tragend präsentierte sich der Motettenchor- ob als Mitträger des Geschehens oder als Interpreten der Bach-Choräle. Garniert mit vier hervorragenden Soliste.

Von Klaus G. Werner

Friesoythe.
Ergriffenes Schweigen, nur die Stundenglocke der St. Marienkirche war zu hören. Erst dann brach minutenlanger Beifall los.
Soeben waren die letzten Akkorde der Johannespassion von Johann Sebastian Bach verklungen in einer Aufführung, die als denkwürdig zu bezeichnen ist.
Dem Motettenchor Friesoythe unter der Leitung von Heinrich kl. Siemer zusammen mit der Kammersinfonie Bremen und vier hervorragenden Solisten war es gelungen, das Leiden und Sterben Jesu Christi durch die Musik Bachs geradezu plastisch vor Augen und Ohren zu führen.
Schon im monumentalen Eingangschor erwies sich der Motettenchor als gut vorbereitet, klangschön und tragend.
Erste Szene: Die Gefangennahme. Der Chor fügte sich sicher ein in seine Doppelrolle als Mitträger des Geschehens und als textausdeutende Interpreten der von Bach so ungemein dicht ausgearbeiteten Choräle. Die beiden Solistinnen, Tanya Aspelmeier (Sopran) und Nicole Dellabona (Alt) sangen ihre Arien mit schlank geführten, fast vibratolosen Stimmen. abgesehen davon, dass die Bläser in der Altarie die Solistin ein wenig überdeckten, soielte das Orchester tadellos, mit großem Engagement und klangschön in allen Stimmen. Zweite Szene: Die Verleugnung des Petrus. Knut Schoch, als Evangelist und Ariensänger ebenfalls in einer Doppelrolle, hielt mit beweglicher und angenehmer Tongebung die Waage zwischen sachlichem Erzählen und dramatischen Überhöhungen, zum Beispiel in der affektgeladenen Darstellung des Weinens. Zerknirschung und Reue des Petrus sprachen aus der folgenden Arie, die in besonderer Weise den Reichtum der Barockmusik an Affekten verkörperte.
Dritte Szeme: Jesus und Pilatus. Schlag auf Schlag erfolgte der Wechsel zwischen den Stimmen der beiden Protagonisten sowie Diskussionen des Pilatus mit den Hohenpriestern und dem Volk. Exakte und schnelle Einsätze des Chores sowie punktgenaues Dirigat von Heinrich kl. Siemer machen es möglich.
Hier schlug die große Stunde des Bassisten Henryk Böhm, der zuvor schon die Christusworte mit Schmelz und Wärme gesungen hatte. Mit höchster Flexibilität gestaltete er die Dialoge, ließ drohende oder verwunderte Untertöne hörbar werden, sanf mit Sarkasmus in der Stimme die berühmten Worte des Pilatus "Was ist Wahrheit?" und forcierte die gesamte Szenerie zu opernhafter Ausstrahlung. Dass er zudem seinen beiden Arien tiefen Ausdruck verlieh, machte Henryk Böhms Auftritt zu einem Highlight des Abends.
Vierte Szene: Kreuzigung und Tod. In rasantem Tempo stellt der Chor den Streit der Kriegsknechte um den Rock Jesu dar: "Lasset und ihn nicht zerteilen, sondern darum losen, wes er sein soll!"Tiefe Empfindungen legte Nicole Dellabona in die Arie "Es ist vollbracht!", in den Eckteilen nur begleitet von einer Gambe und einer Laute.Dann als Schlussszene noch einmal Dramatik pur: Der Vorhang im Tempel zerreißt, Erdbeben, geöffnete Gräber, ein Vorgang, der gar nicht bei Johannes steht, den Bach um des Effektes willen aus einem anderen Evangelium hineinkolportiert hat. Schließlich zur Grablegung eine Sopranarie, von Tanya Aspelmeier hinreißend gesungen und von Flöte und tiefer Oboe da caccia einfühlsam begleitet.
Der Schlusschor "Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine", jetzt ruhig und fast emtionslos, ist noch nicht der Abschluss. Mit dem Blick ins paradies "Ach Herr, lass dein lieb Engelein am letzten End die Seele mein in Abrahams Schoß tragen!" wird der Ergriffenheit das I-Tüpfelchen aufgesetzt.
Wie gesagt: Eine denkwürdige Aufführung.


Nordwest Zeitung vom 20.03.2012

Auf lange Stille folgt donnernder Applaus
Konzert Auftritt des Motettenchors Friesoythe und der Kammer Sinfonie Bremen

Von Maria Ostermann
Friesoythe - Bereits 1724 wur- de die Johannes Passion (Passio Secundurn Johannem, BWV 245) von Johann Sebastian Bach in der Leipziger Nikolaikirche uraufgeführt - rund 290 Jahre später fand nun die Passionsgeschichte in der Marienkirche in Friesoythe erneut begeisterte Zuhörer. Das zweistündige Werk erzählt musikalisch den Evangelienbericht der' Gefangennahme und Kreuzigung Jesu Christi: durch Choräle, Rezitative, Arien und durch Chorpartien.

Mit den ersten Klängen - sehr getragen und melodiös - beginnt der Motettenchor Friesoythe unter Leitung von
Heinrich kleine Siemer die Erzählung der Leidensgeschichte. Wieder einmal beeindruckt ungeheure Klangfülle, Stimmenklarheit und überwältigende Ausdruckskraft - im pianissimo als auch im forte.
Als Stimme des Volkes klagt der Chor Jesus an, bittet, fleht und hofft. Die Bitterkeit wandelt sich in süße Klänge, aus Anklagen wird Lobgesang.
Die renommierten Solisten übernehmen 'Rollen der Evangelisten, von Jesus,: Pilatus, den Jüngern und einer Magd-
der Sologesang eines Dieners überrascht positiv aus der Mitte des Motettenchores.
Henryk Böhm (Bass) braucht als Jesus, Petrus und Pilatus nur wenige Silben, um die Wärme und Erfahrung seiner Stimme zu zeigen. Er glänzt ebenso wie. der Tenor Knut Schoch mit sauberer Artikulation und fühlbarer Nachempfindung der Erzählung. Tanya Aspelmeier (Sopran) triumphierte ebenfalls bereits in ihrer ersten Arie durch sichere, volle Höhen und flehende Stimme. Bei der Arie "Es ist vollbracht" von Nicole Dellabona (Alt) zum Tod Jesu am Kreuz, legte sich merklich ein trauernder Teppich über die Zuhörer - absolute Stille in der Kirche. Die Kammer Sinfonie Bremen sorgte mit donnernder Spannung, leisen Klängen und sicherer Intonation für die Dramatik und musikalische Vollendung. Heinrich kleine Siemer führte Chor, Kammer Sinfonie und Solis-
ten sicher durch den Abend, mal mit großen, emotionalen Bewegungen wie im E-Dur Choral zu Jesu Sieg am Kreuz, mal nur mit kleinen, stillen Handzeichen.
Mit schlichter Eleganz lenkte er erneut ein großes Werk auf den richtigen Weg.
Die stillen Sekunden während der Acht-Uhr-Glockenschläge am Ende der Aufführung war
die Ruhe vor dem Jubel.

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